RISIKO

 Editorial 

 
von
Semi j. Kolon

„Weil ich so gerne fliege ohne Fallschirm, fall und nichts bereu.“    


Wollte mensch „Risiko“ in einem Satz zusammenfassen, so bringt es Mieze Katz voll auf den Punkt. Risiko bedeutet Mut, keine Angst vor dem Resultat. Das Auf-die-Fresse-fallen nicht scheuen.

 

Hören wir aber das gesamte Lied durch, so wird klar, dass Risiko viel mehr umfasst als sich von Klippen zu stürzen oder sich in die Höhle des Löwen zu wagen. „Mut ist nicht immer laut, manchmal ist Mut auch die kleine Stimme am Ende des Tages, die sagt: 'Ich versuch's morgen wieder.'“. Gregor Eisenhauer zitiert hier in Die 10 wichtigsten Fragen des Lebens in aller Kürze beantwortet einen jungen Mann, der an einer tödlichen Krankheit leidet. Risiko ist nicht nur den Angstfreien und Waghalsigen vorbehalten. Das Leben an sich ist Risiko. In all seinen Facetten. Sich dem Leben zu stellen, Tag für Tag, heißt, das Risikohafte des Lebens anzunehmen. Denn sterben können wir in jeder Sekunde. Und was „Fallschirm“ uns vor allem erzählt ist: Der Liebe eine Chance zu geben bedeutet eben auch ein Risiko eingehen, weil mensch dabei an die emotionale Belastungsgrenze kommen kann. Die Psychologie geht davon aus, dass eine Trennung bezogen auf das Stresslevel genauso intensiv ist wie der Verlust von Angehörigen.           


Die Kunst beim Scheitern der Liebe ist, nicht aufzuhören, an die Liebe zu glauben. Und aus den Erfahrungen zu lernen. Denn aus denen lässt sich womöglich ein Fallschirm flicken, der den nächsten Absturz abfedert. Vielleicht schafft mensch es auch, ein Sicherheitsseil zu flechten, sodass es gar nicht zum Aufprall kommt. Aber auch Seile können reißen. Liebe heißt Risiko. Basta. Wer lieben will, muss dieses Risiko eingehen. 

 

Wenn Risiko mit Mut assoziiert wird, dann bedeutet Risiko auch Gefahr. Und Angst. Wir leben in einer Zeit, in der uns Populist/-innen traurigerweise zeigen, dass nach Jahrzehnten der historischen Aufarbeitung die Bedrohung nicht gebannt ist, dass Politiker/-innen mit der Angst spielen und Schreckensszenarien erfinden. Es ist ein riskantes Spiel, an dem viele zurzeit teilnehmen. Umso wohltuender ist es, ein Pamphlet wie jenes von Pussy-Riot-Aktivistin Nadja Tolokonnikowa in die Hände zu bekommen. Anleitung für eine REVOLUTION motiviert zum zivilen Ungehorsam und bietet nicht nur praktische Anleitungen, wie ein richtiger Riot zu organisieren ist; das Buch ist auch gespickt mit tollen Aus- und Aufrufen. Einer davon: „Macht haben nicht diejenigen, die über Posten und Gefangenentransporter verfügen, sondern diejenigen, die ihre Angst überwinden.“ In Zeiten, in denen uns suggeriert wird, in einer Hochrisikogesellschaft zu leben, dass alles mit Versicherungen abzusichern und das alltägliche Risiko nur durch die totale Überwachung zu senken ist, brauchen wir Mut zum echten Risiko: Mut, unsere Freiheiten zu verteidigen, Mut, zu lieben und zu vertrauen, Mut, den Risikobeschwörerinnen und -beschwören den Stinkefinger entgegenzustrecken. Mut, sich nicht der Angst hinzugeben und Mut, an bestimmten Werten festzuhalten und diese nicht in Krisenzeiten über Bord zu werfen, um die eigene Haut zu retten. „Habt keine Scheiße im Kopf. Stürzt Diktatoren!“, fordert uns Tolokonnikowa auf. Und: „Tue das Unmögliche!“ Also lasst uns fliegen ohne Fallschirm, fallen und nichts bereuen! Denn Risiko heißt auch, den von vielen vorgetrampelten, vermeintlich sicheren Pfad zu verlassen und immer wieder aufs Neue zu fragen: Was will ich eigentlich? 

 

CvD & Layout #risiko: Nina Rathke

 

 

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