Ein Neuanfang
 von Milan
 
 

Alleine sitze ich auf meinem Bett im Chateau Marmont. Ich höre Stimmen, alte Bekannte, es wird Zeit für ein Bad. Wir stoßen an mit Gin Tonic.

 

Es klopft an der Tür. Das muss wohl der Zimmerservice sein. "Herein, wenn es mein Gin Tonic ist", rufe ich der Tür entgegen. Schweigen. Wohl kein Humor der Geselle. Gehe ich eben selbst - scheiß DIY. Als ich die Tür öffne, stelle ich fest, kein Zimmerservice. Das macht auch irgendwie Sinn, weil ich gar nicht in einem Hotel bin, sondern auf der Arbeit. Das wiederum bedeutet, dass ich mir den beschissenen Gin Tonic selbst holen muss. Dann kann ich auch gleich das Tonic weglassen, braucht eh kein Mensch. Ich schnappe mir die angebrochene Flasche Gin, zieh ne Line Koks und lasse mich in meinen Bürostuhl fallen. Großartig. Es ist Nacht.

 

Als ich süchtig war, habe ich die Nacht geliebt. Am Tag waren überall Menschen, war überall Interaktion, war überall Leben. Nachts nicht. Nachts war Ruhe, nachts war Dunkelheit, niemand der mich sieht, niemand den ich sehen muss. Ich wurde ein richtiger Nachtmensch. Und in einer Stadt wie Berlin, ist es unglaublich einfach als Nachtmensch zu existieren. Hier ist es möglich, rund um die Uhr alles zu bekommen - wirklich alles. Am Ende meiner Nachtmensch-Karriere, habe ich mir das Koks sogar in die Firma liefern lassen und bin nur noch rausgegangen, wenn ich Zigaretten oder Gin geholt habe und das natürlich nachts.

 

Zuhause war ich kaum noch. Das ist für Nachtmenschen auch eher ungewöhnlich. Somit war es absehbar, dass diese Türe eines Tages verschlossen bleiben würde. Als es dann soweit war, hat es mich aber doch hart getroffen. Die Nacht wirkt plötzlich dunkler, wenn man alleine ist. 1980 schrieb Gerrit Bekker, dass „alle Finsternis durch gehbar ist, wie Tür“ - jetzt war es an der Zeit, meine zu durchschreiten. 

 

Heute ist es auf den Tag sechs Monate her und ich meine, dass die Sonne langsam aufgeht.

 

 

 

 

Milan

 

Wer denkt, dass Don Quijote vergebens gegen Windmühlen kämpfte,

hat die Geschichte nicht verstanden.