Tony Hui ist kein Morgenmensch. Nicht, weil besagte Erotilumnist*in den Morgen nicht mag. Ich liebe den Morgen. Vor allem einen nebligen Sommermorgen samt glühendem Sonnenaufgang. Am besten auf einem Steg an einem spiegelglatten See. So einen Morgen mag ich.

Dumm nur, dass ich mir dauerhaft keine Immobilie mit Wasserlage leisten kann. Daher sehen meine Morgen eher genauso unspektakulär aus wie jene der Millionen Mitmenschen ohne Haus mit Wasserlage und ohne Wohnort in einer klimatisch bevorzugten Zone. Kurzer Einschub: Draußen sind es gerade beschissene minus sechs Grad und mich widert die Vorstellung an, dass mir gleich eisige Winde in die Visage peitschen werden. Nicht, dass ich sonst etwas gegen ein paar Hiebe ins Gesicht hätte....aber da bekommt man ja auch was Weicheres (also Hart-Weiches oder Weich-Hartes) und Warmes in die Fresse geschmettert. Egal. Exkurs Ende. Der wenige Luxus, den ich mir an einem stinknormalen Morgen also gönne, ist Zeit. Entweder Zeit, etwas länger zu schlafen. Oder Zeit, etwas länger zu duschen. Wenn ich einen meiner optimierten Tage habe, schaffe ich es sogar, etwas länger zu schlafen, zu duschen und sogar – man staune – etwas mit Nährstoffen Versehenes runterzuwürgen (nein, ich meine nicht Eiweiß), was vielleicht in Frankreich den Namen Frühstück verdient. Der Morgen hat also wenig freie Slots für sonstige Angelegenheiten. Womit ich nun endlich die Überleitung zum eigentlichen Thema geschafft habe. Exkurs: Dieser Text entsteht übrigens an einem Morgen. Nein, ich mag keinen Morgensex. Ich mag es nicht, in einem halbkomatösen Dämmerzustand zu sein, während jemand an meinem Loch rumpult. Ich möchte in dem besagten Zustand auch keinen Schwanz lutschen, um den Geruch meiner abgestandenen Spucke - eine ganze Nacht durch die Fleißarbeit einer Megapopulation von Bakterien gereift, zu ertragen. Weder fühle ich mich besonders sexy, noch finde ich das Gegenüber besonders attraktiv. In einem sexuellen Sinne zumindest. Da können noch so viele Lifestyle-Magazine Beiträge dazu bringen, wie mensch sich den Morgen versüßen kann. Hochglanzformate zeigen uns sowieso ein Leben, was wir anderen (die ohne Immobilie) uns nur erträumen können und das uns von unserem schnöden Alltag mit Minusgraden ablenken soll. Alles alternative Fakten und gefühlte Wahrheiten.

 

Mein Körper braucht nach dem Aufwachen erst einmal Zeit, um hochzufahren. Meine Gedanken beschäftigen sich zunächst mit der Analyse meiner Träume, die mich des Nachts geplagt haben. Und meine Augen müssen sich erst einmal scharfstellen. Ich habe jeden Morgen das Gefühl, dass sie eine Wiedergeburt zelebrieren, so langsam stellen sie eine klare Sicht her. Außerdem habe ich an Sex einen gewissen Anspruch. Wenn ich blase, dann mit Überzeugung. Wenn mein Kiefer vor Müdigkeit wie ein lose festgeschraubtes Gestell herunterhängt, bringt das keiner Seite was. Auch wenn ich gern das gestopfte Loch bin, dann bin ich es nur aus Überzeugung und nicht, weil mich die post-somnambule Schlaffheit lähmt. Man könnte entgegenhalten, dass ja am Wochenende Zeit wäre für ausgiebigen Morgensex. Ja, vermutlich. Aber eins können die ganzen Tipps in den Hochglanzmagazinen nicht ändern: Meinen Biorhythmus. Ich muss jeden Morgen einfach mal gediegen kacken. Mein Enddarm ist definitiv ein Morgenwesen. Kacken ist entspannend und braucht Zeit. Also geht’s mit euren Tipps scheißen! Morgensex ist für mich die Weiterführung des Ideals der Leistungsgesellschaft. Früh aufstehen, am besten gleich Sport machen, ein gesundes, vitamin- und ballaststoffreiches Frühstück zu sich nehmen und geilen Sex haben. Und dann fit und munter pünktlich um 8 auf der Arbeit erscheinen. Leckt mich doch!

 

Hätte ich mein Haus am See mit Steg, Sonnenschein und Wärme, wäre das alles ganz anders. Ich müsste nicht malochen und hätte keinen Alltagsstress am Morgen. Meine Spucke würde nach Wein riechen. Und mein Körper sähe vom regelmäßigen Schwimmen und durch die sanfte Sonnenbräune einfach nur Bombe aus. In dieser Fantasiewelt müsste ich wohl auch nicht scheißen. Womöglich hätte ich überhaupt keinen Verdauungstrakt. Dann bitte. Endlose Gangbangs am Wasser mit Blick auf den Sonnenaufgang. Bring it on!

 

Mehr Freude macht man mir am Morgen mit einem Morgen-Latte – mensch achte bitte auf den Artikel und den Bindestrich. Ja, auch Tony Hui hat spießige Seiten. Und wann Tony Hui die ganzen Eskapaden erlebt? Besagte Erotilumnist*in mag Tea-Time-Sex gegen 16 Uhr und ganz klassisch am Abend. Am liebsten aber in der Nacht. Gern auch spät. Gern auch angetrunken (macht es alles dreckiger). Was Sex angeht, ist Tony Hui also eher ein Nachtmensch. Womit auch das geschafft wäre: der Bogen zum kraftausdruck dieser Ausgabe. Die Zeit drängt nämlich. Die Maloche wartet. Also ab in die Scheißkälte. Die  Rosette zieht sich bei der Vorstellung daran bereits krampfhaft zusammen...

 

 

 

 

 

 
Erotilumne 
 von Tony Hui