„In der Nacht sind alle Katzen grau.“    

 

 

Wer dem morgendlichen Weckruf gehorcht, hat sich der Realität unterworfen. Was folgt ist ein wohlgeordneter Arbeitsalltag, vorbildliche Sporteinheiten, die Vitalität des Daseins. Mensch reißt sich zusammen. Mensch gibt Acht. Mensch strebt.

 

Die wissenschaftliche Schlaftheorie unterscheidet in Lerchen und Eulen. Demzufolge kann niemand etwas dafür, dass sie/er Früh- oder Spätaufsteher*in ist. Entgegen der Annahme und dem Drang früh und damit effizient am eigenen Erfolg zu basteln, unterliegen wir nämlich unserer Genetik.

 

Im modernen Zeitalter trifft die Entscheidung aber meist der Schichtbeginn. Entgegen dem erfolgsorientiertem Mantra: Nur wer früh schafft, schafft auch viel, wird auch nachts geschafft. Der Gang der Zeit wird am Laufen halten. Die Nachtarbeiter*innen folgen der gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeit und achten auf unsere Regeln. Sie fahren Taxi. Sie retten Leben. Sie bewachen Maschinen. Drum ein Augenrollen und Empörung dem gegenüber, der Langschlafende nicht von Spätaufstehenden zu unterscheiden weiß.

 

Obwohl gerade im Schlaf sind wir kreative und aktive Geister. Wir denken. Wir verarbeiten. Wir reifen. Schließlich verschlafen wir doch nicht ohne Grund ein Drittel unseres Lebens.

 

Aber wer braucht schon Dunkelheit zum Schlafen, wenn mensch in der Nacht auch leben kann. Eine Zeit der Individualität. Eine Zeit der Grenzenlosigkeit. Eine Zeit der Gefühle. Ein Mysterium. Ein Spuk. Ein Flug. Neben den tatsächlichen Geistern dieser Welt schweben aufgrund des fehlenden Sonnenlichts allzu oft schwerwiegende Gedanken über unser Gemüt. Die mindere Produktion an Glückshormonen lässt uns zweifeln, verzweifeln.

 

Dagegen hilft in der Regel nur eins. Wir tanzen. Wir freuen. Wir schweben. Wer die Nacht zum Tag nimmt, entscheidet sich gegen die Realität. Wir begeben uns mit den Dämonen auf Geisterjagd und suchen unsere Seelen. Sobald der Mond zum Himmel steigt und die Sittsamen ihre Wecker stellen, verkehrt sich die Vernunft.

 

Es lebe der Nachtmensch!

 Editorial  von Nina Rathke   

 Layout  von Semi j. Kolon

 

 

Die Nacht wurde zum Tag. Die Drogen immer präsenter. Der Entzug unausweichlich. Wie es ist, von der Nacht loszukommen.

 

Ein prosaisches Geständnis von Milan

 

 

Ein Blick durch das Fenster in den Hinterhof. Mit der Spiegelung des eigenen Ichs. Der Blick fällt dabei nicht immer auf das Leben der Nachbarn.

 

Kurzprosa von Anna Schimrigk

 

 

Eine schlaflose Nacht? Für Rumtreiber*innen und Traumsuchende bietet die Liste einige Kulturtipps zum Abarbeiten.

 

zusammengestellt von Nina Rathke

 

 

Träume lassen Welten entstehen. Persönliche Einblicke in die Gedanken der Nacht. Visualisiert in ihrer Absurdität und Grenzenlosigkeit von der Künstlerin Gudrun Moser.

 

mit den Träumen von Miro, Milan, Nina und René | Illustrationen von Gudrun Moser

 

 

Wenn du eine richtige Berliner Partysau bist, dann schaffst du diesen Test im Schlaf!

 

ein Club-Quiz von Nina Rathke

 

 

Zum Einlullen oder Durchtanzen? Die kraftmucke-Playlist bietet für Endlosschläfer und Wachgebliebene die passenden Tracks.

 

zusammengestellt von Martin Tege, Nina Rathke und Semi j. Kolon

 

Die Sorgen wegzutanzen, ist ein guter Ansatz. Wenn das Leben aber zur ewigen Party wird, verpasst man vielleicht die Möglichkeit, begründeten Sorgen nachzugehen.

 

von Kolja Koch

 

 

Die deutschen Fernsehmacher*innen lassen uns bereits tagsüber an ihrer Zurechnungsfähigkeit zweifeln. In der Nacht krepieren die letzten Hoffnungen.

 

Eine TV-Kritik von Martin Tege

 

 

Über literarischen Instantkaffee und viel heiße Luft für den nimmersatten Markt. Mensch wartet gespannt auf das Debüt eines Party-Bloggers.

 

Fragmentarische Kurzprosa von Sascha Klein

 

 

Wenn die Nacht über Lena hineinbricht, flieht sie in eine Umarmung. Doch was passiert, wenn die einsame Wut sie packt?

 

Kurzprosa von Nina Rathke

 

 

 

Die verrutschten letzten Sekunden bis zum Öffnen der eigenen Haustür. Das Bett schon in Gedanken.

 

Lyrik von Mimi

 

Ein Schmählied auf die Tugenden der Leistungsgesellschaft.

 

von Nina Rathke

 

 

Warum es legitim ist, den Latte Macchiato der Morgenlatte vorzuziehen.

 

von Tony Hui

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