BLÜMCHEN BIENCHEN BUMSEN BONERN 

ABHÄNGIGKEIT | 

 

Jaja, ich gebe es zu, ich war dieses Mal etwas schreibfaul. Kein Grund, gleich einen auf Pfarrer Gauck zu machen. Wenn wir schon über Abhängigkeit schreiben, dann gestehe ich nun, dass Schampus und Kaviar jene kontostandminimierenden Luxusgüter sind, die mich noch ins Verderben stürzen werden. Verderbliches gab es an Silvester genug, das nicht nur aufgrund des tauenden Schnees ein feuchtes Vergnügen war. Ich habe mich gründlich abgeschossen und aufspießen lassen. Die Nachweh(wech)en halten bis dato an. Gleichzeitig hatte ich sowieso geplant, Neujahrsgrüße zu verschicken. Da dachte ich mir, wieso nicht empirisch werden und einfach die Leute fragen. Gedacht, getan. Eine Auswahl an Gedanken von meinen Liebsten und Treusten (XOXOXO an euch alle!).

 

Wie abhängig ich von Sex bin? Sexmangel ist wie Hunger - wenn letzteres zu groß wird, werde ich grantig. So auch beim ersteren. Das ist eher ein unbewusster Prozess. Irgendwann, wenn die Tobsuchtanfälle einsetzen, merke ich, das was nicht stimmt. Also sind wir abhängig nicht vom Sex, sondern von unserem Körper. Ich bin da sehr pragmatisch erzogen worden. Alles wurde mir aufgrund des neusten naturwissenschaft-lichen Wissenstands erklärt. Manchmal wünschte ich mir, die Welt wäre magischer. Aber ich schreibe ja keine Märchenkolumne, sondern was über Sex. Und das sind reale Tatsachen - so wie Genitalwarzen und Streifen am Hintern mit zunehmendem Alter. Wenn man all diese Sachen bedenkt (z.B. auch die Hämorrhidenleiden aus der letzten Ausgabe), stellt man sich sowieso die Frage, wie man überhaupt abhängig von so etwas Abgefucktem wie Sex sein kann. Aber Sex ist eben doch ein physiologischer Prozess mit einer Prise Magie - und beides ist mit Abhängigkeit verbunden. Der Sexualtrieb degeneriert mit dem Alter (außer vielleicht bei Hugh Hefner) und damit werden wir von der Abhängigkeit erlöst. Und Magie - wir hätten alle gern mehr davon und kriegen nie genug.

 

 

"Herzblatt, ich mag nicht davon sprechen, abhängig zu sein. Solche Erscheinungen sind nur etwas für schwache Gemüter. Aber ich kann definitiv sagen, nie genug zu kriegen. Sex ist der Gipfel der Attraktivität zweier Gemüter und man trifft eben immer interessante Menschen." // Molly Nass, Tänzerin im Lokal "Zur Muschel"

 

„Es gibt Sex und Sex. Den ersten mache ich im Suchtmittelrausch. Alkohol. Poppers. Koks. Den anderen im Liebesrausch. Vom ersten wird man nicht abhängig. Denn den ertrage ich nur im eingeflößten Delirium. Vom zweiten kann man nicht abhängig werden, da er zu selten passiert." // Alex Pushkin, Literat im Prekariat

 

„Ich halte es mit Tic Tac Toe: ‚Wir sind die Schlampen der Nation. Wir lieben unsre Rolle.‘ Oder was sangen Depeche Mode nochmal? "I just can’t get enough…" // Lotta Luder, promoviertes Barflittchen in Bamberg

 

"Dependenz ist Ausdruck von Heteronomie. Sexuelle Interaktion ist zwar ein perennierender Prozess von Interdependenz, doch die von dir artikulierte Dependenz wirkt negativ konnotiert. Sex sollte ein epiphanisches Momentum (im nicht-religiösen Sinne) sein, die Klimax, die Kulmination; die fusion corporale et spiritueuse, in welcher wir trotz emotionaler Interdependenz, eine Konstitution kooperativer Autonomie erlangen. Autonomie im Sinne vom Sein in einem von den sexuell interagierenden Individuen kollektiv kreierten Paralleluniversum. Autonomie im Sinne vom Nicht-Sein in der Lebenswirklichkeit. Einem solchen Momentum, a priori zeitlich begrenzt, welches die Autonomie zelebriert, kann Dependenz in dem von dir beschriebenen Sinne nicht immanent sein. Heutzutage lassen sich aber Tendenzen eruieren – ein auch durchaus durch die Medien suggeriertes Bild -, dass Sex als tour de chasse eine Kondition auf dem Pfad zum persönlichen Epanouieren sei. Diesem Credo zu folgen, das ist wahre Dependenz im anti-autonomen Sinne. Quocirca bedeutet eine hohe Quantität an sexuellen Kontakten nicht gleich einen état dépendant, si quod Quantität und Qualität korrelieren."//  Theodora Daporno

 

Ich mache mich prinzipiell nicht anhängig von etwas oder irgendje(man/frau)d. EMANCIPATE URSELF! // Budith Jutler

 

"Eine sexuelle Affäre mit Verheirateten ist das Beste. Du bekommst den Fick deines Lebens. Hast aber gleichzeitig eine gewisse Beständigkeit – du weißt, was du bekommst. Also im Gegensatz zu Sexdates mit Wildfremden. Sexdates machen abhängig, weil sie nur kurzzeitig Befriedigung bringen. Ein Teufelskreis. Abhängig sein vom nächsten Klick. Von der App. Die Affäre ist eine Sexbeziehung mit Gefühl, aber ohne Liebe. Die Wirkung hält länger. Aber es gibt keine Abhängigkeit. Denn du weißt: Wer verheiratet ist, isst zu Hause. Ok, man ist abhängig davon, wann die nächste Geschäftsreise ansteht." // Anonym

 

"Tony, hier schreibt deine MamA. Du hast doch nicht etwas mit Schreiben studiert, um solche Dinge in die Welt zu setzen! Suche dir eine anständige Anstellung - vielleicht in einem Verlag oder einer angesehenen Tageszeitung. Ich habe von einer russischen Freundin gehört, dass „hui“ etwas ganz Obszönes bedeutet. Ich dachte zunächst, es sei eine Anspielung auf Hui Buh, das Schlossgespenst, dass du so gern als Kind mochtest. Aber jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher. MamI sieht das alles viel pragmatischer: „Soll das Kind doch über Sex schreiben. Es wird so viel Schund veröffentlicht. Sex ist was, dass alle betrifft.“ Mami und du, ihr bringt mich noch um. Wann schaust du mal wieder vorbei? Kuss, Mama (und Mami)"

 

Epiphanie und Poppers - Wie abhängig bist du von Sex? 
Tony Hui hakt nach

ausdruck:erotilumne.

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